Infoabend im Bad Laaspher Rathaus zum Persönlichen Budget

Bereits seit 2008 gibt es in Deutschland das sogenannte Persönliche Budget. Es ermöglicht Menschen mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen, anstatt einer ihnen zustehenden Sach- oder Dienstleistung einen Geldbetrag zu erhalten, sodass sie die von ihnen benötigten Sach- oder Dienstleistungen – eine Haushaltshilfe, einen Pflegedienst oder technische Hilfsmittel zum Beispiel – eigenständig einkaufen können. Statt des Kostenträgers kann der Leistungsempfänger in diesem Fall selbst auswählen, welche Hilfe er von wem und für wie lange in Anspruch nehmen möchte und hat so mehr Mitspracherecht und Freiheit, was die Gestaltung des eigenen Lebensalltags angeht.

Vielen ist diese Option jedoch gänzlich unbekannt. Um das zu ändern, hatten die Senioren-Service-Stelle der Stadt Bad Laasphe und die Teilhabe-Beratung für Siegen-Wittgenstein kürzlich zu einem Infoabend mit Christiane Rischer von den Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben NRW (KSL) ins Bad Laaspher Rathaus eingeladen. Die KSL haben es sich zur Aufgabe gemacht, Aufklärungsarbeit zu leisten und das Persönliche Budget bekannter zu machen. Dafür haben sie vor geraumer Zeit eine umfangreiche Kampagne gestartet. Die Infoabende sind ein Teil dessen, ein anderer ist eine Wanderausstellung, die – nicht nur an diesem Abend – ebenfalls in Bad Laasphe zu sehen war.

Christiane Rischer gab den Interessierten im Großen Ratssaal einen Überblick darüber, was sich hinter dem Persönlichen Budget verbirgt und was mit ihm alles finanziert werden kann. „Das Persönliche Budget ist ein Instrument, das die Wirksamkeit und Autonomie von Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen stärkt“, so die Expertin. „Alle Leistungen, auf die ein festgestellter oder noch festzustellender Anspruch besteht, können damit eingekauft werden.“ Das Leistungsspektrum sei vielfältig und reiche von Haushalts- und Verständigungshilfen, Assistenzen und betreutem Wohnen über Berufsvorbereitungen, berufliche Anpassungen und Kraftfahrzeughilfen bis hin zu Fahrtkostenübernahmen, Heilmitteln, technischen Hilfsmitteln und Rehamaßnahmen. „Auch Leistungen jenseits des Behindertensystems können damit bezahlt werden“, erklärte Christiane Rischer. Beispiel Mobilität: Um von A nach B zu kommen, muss nicht mehr zwingend der Behindertenfahrdienst konsultiert werden. Möglich wäre auch die Fahrt mit einem anderen Anbieter, etwa mit einem Taxi.

Klingt doch alles erst einmal gut. Warum ist das Persönliche Budget trotzdem noch immer so unbekannt und wird weniger als erwartet in Anspruch genommen? Für Christiane Rischer gibt es mehrere Gründe, die allesamt miteinander zusammenhängen. Erstens seien die Antrags- und Bewilligungsverfahren derzeit langwierig und kompliziert. Zweitens fehle es noch an ausreichend Wissen und Informationen über das Instrument. Und drittens – und das sei eines der Hauptprobleme – an der Bereitschaft der Kostenträger, das System vollumfänglich zu unterstützen. Viele Menschen bräuchten Hilfe bei der Antragstellung, doch es gebe bisher kaum geschultes Personal, das sich mit dem Persönlichen Budget auskenne oder bereits Erfahrungswerte gesammelt habe, um den Leistungsempfängern adäquat zur Seite stehen und ihnen Unsicherheiten nehmen zu können. Auch im Kreis Siegen-Wittgenstein seien sogenannte Budgetassistenten sehr rar gesät bzw. so gut wie gar nicht vorhanden.

„Um das zu ändern braucht es vordergründig einen Paradigmenwechsel. Einen Wechsel weg vom System der Fremdbestimmung hin zum System der Selbstbestimmung“, so Rischer. Häufig seien die Kostenträger daran jedoch nicht interessiert. „Unsere Strukturen sind ja bisher größtenteils auf Fremdbestimmung ausgelegt.“ Viele Anwesende konnten dies bestätigen.

Mit dem Infoabend wollten die Experten deshalb einen Beitrag zu diesem Paradigmenwechsel leisten, wollten Informationen weitergeben und Aufklärungsarbeit betreiben. „Wir haben gemerkt, das ist notwendig in dieser Situation“, so Rischer. Jan-Frederik Fröhlich von der Teilhabe-Beratung für Siegen-Wittgenstein ermunterte die Zuhörerinnen und Zuhörer schließlich, den aktuellen Umstand nicht nur als Problem, sondern auch als Chance bzw. als Gelegenheit für eine Veränderung zu begreifen: „Durch das Bundesteilhabegesetz ist wieder mehr Bewegung in dieses System gekommen. Die Forderungen nach Selbstbestimmung müssen jetzt aber auch konsequent formuliert werden. Machen Sie das!“ Sowohl die KSL als auch die Teilhabe-Beratung und die Senioren-Service-Stellen würden dabei unterstützend zur Seite stehen.

Fröhlich nutzte die Gunst der Stunde und stellte nach Christiane Rischers Vortrag noch kurz die Tätigkeiten der Teilhabe-Beratung für Siegen-Wittgenstein vor. Zudem hatten er und Christiane Rischer für die Anwesenden jede Menge Informationsmaterialien mitgebracht, um für das Persönliche Budget zu werben und über Hilfsangebote in der Region aufzuklären.

Wer mehr über das Persönliche Budget erfahren möchte, findet unter https://www.ksl-nrw.de/de/themen/3/persoenliches-budget weitere Informationen. Bei Fragen stehen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KSL für den Regierungsbezirk Arnsberg (Tel. 0231/9128375, info@ksl-arnsberg.de), der Teilhabe-Beratung für Siegen-Wittgenstein (Tel. 0271/48536900, info@teilhabeberatung-siegen.de) oder der Senioren-Service-Stelle der Stadt Bad Laasphe (Tel. 02752/909-153, m.thielmann@bad-laasphe.de) gern zur Verfügung.

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